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IFA Berlin 2026: Was wir gesehen haben, woran wir zweifeln und was wir erwarten

Insight
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25. Sept. 2026
Seit dem Rebranding 2024 steht IFA für „Innovation for All“. Die Abkürzung selbst ist aber viel älter. Sie geht auf die Internationale Funkausstellung zurück, die 1924 zum ersten Mal in Berlin stattfand. Hundert Jahre später ist die Messe noch immer der Ort, an dem sich zuerst zeigt, was demnächst in unseren Wohnungen stehen will.

Siniz Kim und Mai Luong von zigzag waren am 7. und 8. September auf der Messe. Uns hat interessiert, wie sich die etablierten Produktbereiche weiterentwickeln, was wirklich neu ist und wie weit die Trends sind, die wir schon kennen. Und natürlich, was davon die Leute am Ende tatsächlich kaufen, benutzen und mögen.


Die IFA 2026 in Zahlen



Drei Themen sind uns vor Ort besonders aufgefallen. Überall liefen Roboter herum, viele Hausgeräte wollen jetzt per Sprache bedient werden, und KI stand an fast jedem Stand, meistens als neues Etikett auf alter Technik. Man hat viel Ehrgeiz gesehen, aber oft auch eine große Lücke zwischen der Bühnenshow und dem, was im Alltag davon übrig bleibt. Jedes Thema gliedern wir in drei Teile: „Das Versprechen“, „Der Haken“ und „Unsere Einschätzung“, also was geboten wird, was dabei fehlt und was wir davon halten. Zum Schluss folgen noch ein paar weitere Beobachtungen.

Roboter: vom Schreibtischbegleiter zum Humanoiden


Das Versprechen


Es gab kleine Tischroboter mit Gesicht und Charakter, lebensgroße Humanoide, Saugroboter mit Greifarm, Roboter, die die Waschmaschine beladen, und außerdem Mäh-, Pool- und Fensterputzroboter. Manche sind für Kinder oder Haustierbesitzerinnen und -besitzer gedacht, andere für die Fabrik oder den Fußballplatz.
Auffällig war, dass fast jeder große Hausgerätehersteller einen Humanoiden dabeihatte. LG, Haier, Midea, Xiaomi und Dreame verkaufen seit Jahren Saugroboter und haben jetzt alle einen menschenähnlichen Roboter vorgestellt, ganz egal, wie viel der schon kann. Dahinter steckt auch richtig viel Geld. Unitree hat gut zwei Wochen vor der Messe bei seinem Börsengang in Shanghai rund 900 Millionen US-Dollar eingesammelt. Wer hier als Erster etwas Brauchbares liefert, dem gehört ein riesiger Markt.

Der Haken


Abgesehen von den Putzrobotern haben wir kaum einen gefunden, den wir uns ins Wohnzimmer stellen würden. Die Stars der Messe waren eher Haustiere als Helfer. Die meisten Humanoiden tanzten, watschelten oder stolperten, und man hatte eher Mitleid mit ihnen, als dass man beeindruckt war. Der Popcorn-Roboter brauchte zwei Betreuerinnen oder Betreuer. Ein Kellner-Roboter sollte Getränke servieren und hat jede Bierdose zerquetscht, die er in die Hand genommen hat. Von den Robotern, die gerade nicht vorgeführt wurden, hingen die meisten am Ladekabel oder lagen einfach auf dem Boden. Die IFA hat das nicht einmal versteckt. Am Tag der Roboter-Modenschau lief eine Session mit dem Titel „Robots That Can’t Walk“, in der es hieß, Bühnenroboter seien „meist ferngesteuert“.

Unsere Einschätzung


Putzroboter funktionieren, weil am Ende ein Ergebnis dabei herauskommt. Dass sie langsam sind, stört dabei nicht. Am meisten bringen sie dort, wo man selbst schlecht hinkommt, zum Beispiel an hohe Fenster oder auf den Boden eines Pools.
Bei Humanoiden ist der Anspruch ein ganz anderer. Eine menschliche Gestalt ist nur dann sinnvoll, wenn der Roboter in Räumen arbeitet, die für Menschen gebaut sind und dort viele verschiedene Aufgaben übernehmen kann. Davon sind sie aber noch weit entfernt. Sie lernen diese Aufgaben gerade erst, und es wird dauern, bis sie auch nur eine einzige Sache so gut können wie ein durchschnittlicher Mensch.
Abschreiben würden wir sie trotzdem nicht, weil Nützlichkeit nicht alles ist. An Humanoiden wird die Technik weiterentwickelt, und sie stehen für einen ziemlich alten Menschheitstraum, nämlich Maschinen, die so aussehen wie wir. Außerdem sieht man auf der IFA nicht den neuesten Stand. In ihren Pressemitteilungen tauchten chinesische Hersteller wie Unitree, AgiBot und EngineAI auf; Tesla, Figure, 1X oder Boston Dynamics dagegen nicht. Bei denen ist die Software schon weiter als die Hardware. Figure sagt zum Beispiel, sein Roboter erledige mehr als die Hälfte seiner Aufgaben in Wohnungen, die er vorher noch nie gesehen hat. Wenn Hände und Gleichgewicht erst einmal nachziehen, kann es schnell gehen. Offen ist nur, wann das passiert und wofür man sie dann einsetzt.

Hausgeräte: erst Knöpfe, dann Touch, jetzt Sprache


Das Versprechen


Jede Gerätegeneration hatte ihr eigenes Zeichen dafür, dass sie „smart“ ist. Zuerst waren es Drehknöpfe und Tasten, dann Touchscreens, danach Apps und irgendwann „powered by AI“. Jetzt sollen die Geräte sprechen können. Mit Sprachsteuerung werben gerade die Topmodelle, und auf einmal wollen auch Kühlschrank, Backofen, Waschmaschine und Klimaanlage mitreden. LG sagt, sein neuer SIGNATURE-Kühlschrank verstehe ganz normale Alltagssprache. Midea verspricht für den SMART MASTER 140 Sprachen, und man soll nicht jedes Mal das Aktivierungswort sagen müssen. Das ist mehr als eine Spielerei. Sprache ist ein zusätzlicher Weg, ein Gerät zu bedienen, etwa wenn man die Hände voll hat oder mit Touchscreens nicht gut zurechtkommt.

Der Haken


Bei den Geräten, die wir ausprobiert haben, kam man mit Sprache allein selten ans Ziel. Früher oder später landete die Hand doch am Display oder am Drehknopf. In der Demo sieht das Sprechen mühelos aus, zu Hause ist es leider anstrengender. Das kennt jeder, der schon mal auf den Signalton gewartet und dann etwas Komplizierteres gesagt hat als „Stell einen Timer auf fünf Minuten“. Man muss den ganzen Satz schon fertig im Kopf haben, bevor man anfängt. Und wenn einen mittendrin jemand in der Küche etwas fragt, hört die Maschine mit. Dazu kommt, dass die wenigsten allein wohnen und nicht jeder gern vor anderen mit einem Gerät redet. Wie unangenehm man das findet, hängt auch von der Kultur ab. Bei genauen Einstellungen ist man mit ein paar Tastendrücken außerdem einfach schneller, als wenn man alles einzeln ansagen muss.

Unsere Einschätzung


Neue Bedienformen ersetzen die alten nicht. Selbst das Smartphone hat noch ein paar physische Tasten. Sprache wird den Touchscreen also nicht verdrängen, die Aufgabe fürs Design ist eher, dass beides gut zusammenspielt. Dabei geht es vor allem um zwei Fragen. Die erste ist, wie dieselbe Funktion in jeder Bedienform funktioniert. Ob man ein Waschprogramm per Sprache, per Touch oder mit dem Drehknopf auswählt, sind drei verschiedene Abläufe, und jeder davon muss eigens gestaltet werden. Die zweite Frage ist, was passiert, wenn man mittendrin wechseln muss. Man startet zum Beispiel ein Rezept per Zuruf, und sobald der Ofen die genaue Temperatur wissen will, braucht man doch den Bildschirm. Dieser Wechsel sollte sich ganz selbstverständlich anfühlen und nicht so, als müsste man von vorn anfangen.
Dass man mit dem Backofen redet, wird nicht ewig futuristisch wirken. Siri wird im Oktober immerhin 15 Jahre alt. Es kommt aber eine größere Frage auf uns zu. Wenn Kühlschrank, Backofen, Waschmaschine und Klimaanlage alle sprechen wollen und alle ständig zuhören, wer antwortet dann eigentlich, wenn man etwas sagt? Es muss ja nicht jedes Gerät selbst das Gespräch führen. Eins könnte als Vermittler auftreten, die anderen koordinieren und für die Menschen im Haushalt der Ansprechpartner sein, während die übrigen Geräte einfach ihre Arbeit gut machen. Smart Speaker wie Amazons Echo oder Apples HomePod haben das schon versucht. LG stellt seinen Roboter CLOiD jetzt als „Dirigenten“ des Zuhauses vor. Genau diese Rolle haben wir auch in unserer frühen Konzeptarbeit für den Humanoiden Agile ONE von Agile Robots durchgespielt, der sowohl in der Industrie als auch im Service eingesetzt werden soll. Welches Gerät diesen Job am Ende bekommt und wie sich die anderen dabei zurücknehmen, ist aber noch offen. Das muss man zuerst gestalterisch lösen und erst danach technisch.

KI: alte Idee, neue Technik, viel mehr Kameras


Das Versprechen


Das Smart Home ist ein altes Versprechen, das jetzt neuen Schwung bekommt. Mit KI sollen Geräte besser mitbekommen, was um sie herum passiert, und selbst handeln, statt stur einem Zeitplan oder einer einfachen Wenn-dann-Regel zu folgen. LGs AI Home wertet Termine, Routinen und die Nutzung der Geräte aus und macht daraus Vorschläge, damit man weniger Zeit mit dem Verwalten seiner Geräte verbringt. Haiers neuer Backofen erkennt das Essen, beobachtet es beim Garen und schaltet sich ab, wenn es fertig ist. Datenschutz ist dabei weiterhin ein Thema. Anker sagt, sein MindBase-Hub schicke private Kamerabilder nicht in die Cloud, und Xiaomi betont, dass Gesichtsdaten auf dem Gerät bleiben.

Der Haken


Neu ist die Idee nicht. Schon im Jahr 2000 sollte LGs Internet-Kühlschrank Lebensmittel selbst nachbestellen. Auf der IFA 2014 hat Samsung Geräte angekündigt, die sich über die Standorterkennung automatisch einschalten. Die Vision war der Technik damals voraus, und teilweise ist sie das bis heute. 52 % der Nutzerinnen und Nutzer selbst installierter Smart-Home-Systeme berichten von Problemen bei Einrichtung oder Verbindung. Auch auf der Messe war vieles noch eine Demo. Gadget Flow hat es mit „Nobody shipped the AI home“ ziemlich gut zusammengefasst.
Am schnellsten hat sich das Wort selbst verbreitet. Ob AI Wash, AI Dry, AI Fresh oder UltraSense AI, das Label klebt inzwischen auf Technik, die es schon lange gibt. In den Pressemitteilungen steht, was die KI erkennt, aber selten, wie viel besser das Ergebnis dadurch wird. Womöglich schreckt das Label die Leute sogar ab. In Experimenten der Washington State University hat schon die bloße Erwähnung von KI in einer Produktbeschreibung dazu geführt, dass das Vertrauen und damit auch die Kaufbereitschaft gesunken sind.
Und dann sind da noch die Daten. Ein Gerät, das Zusammenhänge verstehen und nicht nur auf einfache Bedingungen reagieren soll, muss deutlich mehr erfassen. Mittlerweile stecken Kameras in Waschmaschinen, Backöfen und Kühlschränken. Smart-Home-Plattformen wollen nicht mehr nur Geräte erkennen, sondern auch Menschen. Xiaomis Vision reicht vom Wohnzimmer bis ins Auto. Sie zeigt viele Möglichkeiten, aber eben auch ein immer dichteres Netz aus Sensoren.

Unsere Einschätzung


Geräte könnten inzwischen offenlegen, was sie tun. Das zeigt sich schon bei Chat-Assistenten, die aufzeigen, welche Schritte sie gegangen sind. Auf Hausgeräte übertragen hieße das, dass man sieht, was die Maschine bemerkt hat, was sie daraufhin geändert hat und wie stark. Wie ausführlich das sein muss, hängt vom Fall ab. Bei einem Waschgang reicht vielleicht eine Zeile, eine Kamera, die entscheidet, wer vor der Tür steht, muss mehr erklären. So oder so entsteht Vertrauen nur, wenn diese Transparenz bewusst mitgestaltet wird, damit man beurteilen kann, ob die Maschine richtig lag.

Schwieriger ist die Frage, wie viel Geräte überhaupt beobachten sollten. Eine Kamera im Kühlschrank oder im Wohnzimmer hält Szenen aus dem Privatleben fest, und das für ein paar kleine Bequemlichkeiten. Dass die Daten lokal bleiben, hilft, ändert aber nichts daran, wie viel beobachtet wird. Und je genauer ein Zuhause die Lage einschätzen soll, desto mehr muss es wissen. Damit das Licht im richtigen Moment ausgeht, muss es wissen, wer in welchem Zimmer ist und ob jemand schläft, liest oder nur still dasitzt. Wenn das ganze Erfassen, Aufzeichnen und Auswerten am Ende nur dazu führt, dass eine Lampe zur richtigen Zeit ausgeht, ist das dann ein fairer Tausch? Bisher nimmt die Branche diesen Tausch einfach hin, statt ihn zu gestalten. Dabei könnte man ihn durchaus zugunsten der Nutzerinnen und Nutzer lösen, mit Geräten, die nur erfassen, was sie wirklich brauchen, Daten nicht länger als nötig speichern und offenlegen, was sie gesehen haben. So ein Gerät lässt man lieber in die Wohnung, und mit der Zeit traut man ihm dann auch mehr zu.

Was uns sonst noch aufgefallen ist


eim Gang durch die Hallen sind uns noch einige andere Entwicklungen aufgefallen.



Ob Roboter, Sprachsteuerung oder KI, überall zeigt sich dasselbe Bild. Die Versprechen sind dem Alltag noch ein gutes Stück voraus. Genau in dieser Lücke fängt für uns die Arbeit an. Dabei geht es einerseits darum, was eine Maschine kann und was sie über uns wissen soll, und andererseits darum, wie sie sich verhält und wie wir mit ihr umgehen. Am Ende zählen die Momente, in denen sie uns das Leben wirklich leichter macht.

Sie waren auch auf der IFA und haben etwas anderes gesehen? Dann erzählen Sie es uns gern. Und wenn Sie gerade an einem Produkt fürs Zuhause arbeiten, egal ob an einem Roboter, einem Gerät, das zuhört, oder einem Service, der von seinen Nutzerinnen und Nutzern lernt, würden wir uns freuen, mit Ihnen darüber zu sprechen. Mit genau diesen Fragen beschäftigen wir uns bei zigzag, von der Strategie über UX/UI-Design bis zum Prototyp, an dem man sieht, ob eine Idee in der Hand funktioniert. Kontaktieren Sie uns.



Über den Autor
Siniz Kim ist Mitgründer und Partner bei zigzag. Er hat diesen Text gemeinsam mit Claude geschrieben, das Recherche und Faktenchecks übernommen hat. Um fast jeden Satz wurde gerungen. Die meisten Runden hat er gewonnen, und das letzte Wort hatte er sowieso.

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